Wie ist es möglich, sich am Arbeitsplatz ohne Zeitaufwand gesund zu ernähren? Und wie lassen sich die Zubereitung und das Speisen im meist hektischen Alltagsleben stilvoll zelebrieren? Dieser Frage ist Ying Ying Ni, eine angehende Industriedesignerin aus China, nachgegangen. Im Rahmen der Phoenix Design Academy hat sie ein neues Konzept für einen mobilen Dampfgarer entwickelt. Gerichte mit unterschiedlicher Garzeit können darin gleichzeitig zubereitet werden. Das Designkonzept soll Menschen im Geschäftsleben die Möglichkeit geben, sich schnell und stilvoll eine frische Mahlzeit zuzubereiten, mitten im Alltag und an hektischen Arbeitstagen. Der Gestaltungsansatz ist zwar stark beeinflusst von der chinesischen Kultur. Es antwortet jedoch auf ein globales Problem und ist daher auch für westliche Kulturen attraktiv. Ein Lösungsansatz für globale Kulturen also.
Identität und Zukunft
China blickt auf eine alte und faszinierende Kultur zurück – und wie jede Kultur erwuchs auch die chinesische der Kultivierung der Nahrung. Die gesicherte Versorgung durch Ackerbau setzte eine neue Entwicklung in Gang: Es wurden Esswerkzeuge entwickelt, und es entstanden rund um die Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme Rituale. Die gemeinsamen Mahlzeiten inspirierten die vom Zwang der Nahrungssuche erlösten Chinesen zu Lyrik, Musik und Malerei, die sich in kunstvollen Motiven des Essgeschirrs wiederfindet. Von dieser Romantik und Muße, mit der sich unsere Vorstellung von Chinas kultureller Vergangenheit verbindet, ist nur noch wenig zu spüren. Der Rhythmus der heutigen Konsumgesellschaft ist von der Arbeitswelt bestimmt: So rüsten viele Betriebe von Essstäbchen auf Löffel und Gabel um, da sich so schneller essen lässt. Nichtsdestotrotz verbraucht China nach Informationen von Wikipedia jährlich 1,7 Millionen Kubikmeter Holz in Form von 45 Milliarden Einwegessstäbchen für Fastfoodgerichte, das entspricht in etwa 25 Millionen voll ausgewachsener Bäume. Motorisierte Flotten von Bringdiensten verstopfen jeden Tag die Stadtzentren. Der Wandel der Essgewohnheiten bringt folglich nicht nur soziale Einbußen mit sich, sondern birgt auch ökologische Gefahren.
Die Dampfeinheit: ein Relikt aus alter Zeit in modernem Gewand Ying Ying Ni fand einen Lösungsansatz in ihrer eigenen Kultur. Die Vorteile schonenden Garens im Wasserdampf sind Chinesen seit Jahrtausenden bekannt. Diese schnelle Form der Zubereitung erhält einen Großteil der Vitamine und Nährstoffe der Nahrung. Auch in Europa kennt man die traditionellen, schlichten Bambuskörbe, die man mit verschiedenen Zutaten befüllen und zum Garen einfach aufeinander stapeln kann. Ying Ying Ni hat dieses Grundkonzept mit ihrem Entwurf verfeinert und zukunftsfähig gemacht – „ein visionärer Ansatz, der das Thema für die Phoenix Design Academy prädestiniert. Es ist unser zentrales Anliegen, in der Academy Bedürfnisse zu antizipieren und Lösungen aufzuzeigen“, erläutert Tom Schönherr, Mitgründer von Phoenix Design. Vor allem Berufstätigen soll es die Dampfeinheit ermöglichen, mit minimalem Aufwand ein Maximum an Qualität zu genießen – in der schonenden Zubereitung frischer Zutaten.
Ein System von besonderer Ästhetik
Die Elemente des klassischen Dampfgarers wurden neu kombiniert: zu einem System von besonderer Ästhetik, das für einfache Mitnahme und Gebrauch konzipiert ist. Insgesamt besteht das System aus mindestens drei verschiedenen Elementen: einer oder mehrer Gareinheiten, einer Dampfeinheit und einer Heizeinheit mit Induktionskochplatte. „Die Gareinheit kann zuhause oder auf dem Markt mit frischen Zutaten gefüllt und mitgenommen werden“, erläutert Ying Ying Ni. Diese setzt man auf die Dampfeinheit, in der Wasser erhitzt und verdampft wird. Optional können in diesem Wasser zeitgleich Nudeln oder Reis gekocht werden. Erhitzt wird das Wasser von der Heizeinheit mit Induktionskochplatte. Im Alltagsgebrauch können Heiz- und Dampfeinheit im Büro gelassen werden, die Gareinheit wird täglich frisch befüllt. Eine frische Mahlzeit auf Knopfdruck Stapelt man mehrere Gareinheiten übereinander, verbinden sich diese zu einem geschlossenen System. Der Dampf verteilt sich gleichmäßig. Durch einen Schieber an jeder einzelnen Einheit lassen sich Durchlassöffnungen regulieren, die die Dampfzufuhr zur Nahrung im Innern der Einheit kontrollieren. So ist es möglich, Gerichte unterschiedlicher Garzeit gleichzeitig zuzubereiten.
Nun muss zur Essenszubereitung während der Arbeit nur noch das Gerät Eingeschaltet werden, fertig. Nach Ende der Garzeit kann man duftenden Reis, zartes Fleisch und knackiges Gemüse genießen, auch an hektischen Arbeitstagen. Spricht alle Sinne an. Die Außenwand der Gareinheit besteht aus Bambus – ein Material, das in China traditionell zur Herstellung von Körben und Gefäßen verwendet wird. Diese Außenwand kann nach dem Garen auch als Schale genutzt werden. Sie fasst sich immer angenehm kühl an und liegt aufgrund ihrer ergonomischen Form gut in der Hand. Ästhetisch ansprechend und sehr filigran ist auch die Gestaltung der Körbe mit Seitenwänden in Form einer Netzstruktur. Transportieren lässt sich alles in einem eleganten Lederetui, ein ansprechendes, persönliches Accessoire. „Die eigenständige Gestaltung naturbelassener Materialien macht den mobilen Dampfgarer zu einem ästhetischen Begleiter. Das System hat das Potenzial, die Essgewohnheiten zu revolutionieren, ob in Shanghai, Boston oder Berlin,“ kann sich Tom Schönherr für die Zukunft vorstellen.


